Zeitungsausschnitt: Lübecker Nachrichten Pfingsten, 26/27. Mai 1985

Porträt der Woche:

Ein Leben für die Jugend

 

Horst Jann gestorben 18. Juni 1986

Mit einem alten Mühlespiel, einem Schreibheft und genau einer Mark und zwanzig Pfennigen als Startkapital hat Horst Jann 1949 angefangen - mehr stand nicht zur Verfügung, als er kurz nach dem Krieg den Deutschen Jugendblock in Lübeck gründete. Gut 35 Jahre erfolgreicher Jugendarbeit sind aus diesen bescheidenen Anfängen geworden.

Ursprünglich wollte Jann mit seinem Verein den grauen Alltag der vielen Kinder und Jugendlichen in den Flüchtlingslagern der Nachkriegszeit durch gemeinsames Wandern, Singen und Spielen In der Tradition der bündischen Jugend auf sinnvolle Art bereichern. Er selbst war 1946 schwer unterernährt aus der britischen Gefangenschaft entlassen worden.

In seine pommersche Heimat konnte der gelernte Maschinenbauer nicht mehr zurück, so landete er zunächst bei Verwandten in Göttingen. Seine Eltern fand er in Lübeck wieder, und so zog auch Horst Jann nach kurzer Zeit von Niedersachsen an die Trave.

Der heute 58jährige Jann hat Sich nicht nur als Leiter des Jugendblocks, sondern auch in zahlreichen anderen Ehrenämtern einen Namen im Bereich der Jugendpflege gemacht. Fast die gesamte Freizeit, die ihm seine 36jährige Tätigkeit als Maschinenbauer ließ, verbrachte er seit 1949 mit Jugendlichen. So radelte er schon 1954 mit einer Jugendgruppe nach Italien, ganz zu schweigen von zahllosen anderen Zeltlagern und Wanderfahrten.

Über die Grenzen Lübecks hinaus bekannt ist Horst Jann vor allem durch seine Arbeit mit dem von ihm gegründeten Spielmanns- und Fanfarenzug des Jugendblocks bekannt geworden. Bei jedem Volksfestumzug führt er, der den Geschmack an Marschmusik von seinem Onkel -  einem Militärmusiker - geerbt hat, seine jungen Musiker durch die Stadt, auch bei zahlreichen anderen Auftritten schwingt er den Taktstock.

Seit 1960, als Wanderfahrten und Zeltlager nicht mehr groß in Mode waren, steht die Musik immer mehr im Mittelpunkt der Arbeit des Jugendblocks. Zwar hatten sich bereits 1950 die ersten Fanfarenbläser zusammengefunden, aber erst zehn Jahre später bildete sich der Spielmannszug.

Ohne eine große Portion Idealismus hätte Horst Jann sein Engagement für die Jugend wohl kaum durchstehen können. Auch heute noch, da er durch einen Herzinfarkt zum Frührentner geworden ist und sich zu seinem Unwillen etwas mehr schonen muß, gelten seine Zuneigung und Arbeit den fast 100 Kindern und Jugendlichen in Spielmanns- und Fanfarenzug. Aber auch für Nachwuchs ist gesorgt:  Die 21jährige Tochter Horst Janns will in seine Fußstapfen und den Taktstock für die Spielleute übernehmen. 

Danksagung aus dem Jahre 1982